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Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.

Prof. Dr. Raiko Krauß u. Dr. Jörg Bofinger / Eberdingen-Hochdorf/Enz

Die ersten Bauern. Neue Forschungen zum Beginn von Ackerbau und Viehzucht in Württemberg

Vortragsreihe im Rahmen der vom 10. Juni 2020 (Beginn verschoben) bis zum 06. Januar 2021 (verlängert) im Keltenmuseum Hochdorf/Enz präsentierten Sonderausstellung "Steinzeitdorf und Keltengold - Archäologische Entdeckungen zwischen Alb und Neckar". Die Vortragsreihe wurde aufgrund der Corona-Pandemie vom Frühjahr 2020 in das 4. Quartal 2020 verschoben.

Prof. Dr. Raiko Krauß, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Universität Tübingen und Dr. Jörg Bofinger, Referatsleiter Regionale Archäologie, Schwerpunkte, Inventarisation, Landesamt für Denkmalpflege, Esslingen

In der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v.Chr. erfasst der mit der Einführung der Landwirtschaft verbundene gesellschaftliche Umbruch weite Teile Mitteleuropas. Während der Mensch zuvor seine Nahrung weitgehend durch die Jagd auf Tiere, den Fischfang und das Sammeln von Pflanzen bestritten hatte, ergeben sich durch die Einführung von Ackerbau und Viehzucht grundlegende Änderungen in der Lebensweise.

Erstmals in der Kulturgeschichte werden Nahrungsmittel in größerem Maße produziert und durch die Sorge und Pflege der Feldfrüchte sind menschlichen Gemeinschaften gezwungen, dauerhaft sesshaft zu werden. Der Umgang, die Zubereitung und Konsumierung von Lebensmitteln befördert die Produktion von Gefäßkeramik. In Mitteleuropa ist es die aufgrund ihrer charakteristischen Verzierungsmuster so genannte Bandkeramik, die zugleich namensgebend für die erste bäuerliche Kultur im Raum nördlich der Alpen steht.

Während man noch bis vor wenigen Jahren in der Forschung verschiedene Szenarien diskutierte, ob sich diese Innovationen durch kulturellen Austausch oder die Zuwanderung einer neuen Bevölkerung ausbreiten konnten, legen die Ergebnisse von Studien am genetischen Material von Menschen und frühen Haustieren nahe, dass zumindest für den süddeutschen Raum die Ausbreitung dieser Kulturtechniken durch die sukzessive Einwanderung von Menschengruppen, zunächst aus Anatolien in die Ägäis, von dort über den Balkanraum in das Karpatenbecken und schließlich entlang der Donau bis nach Südwestdeutschland, erfolgte.

Die Siedlungen und Bestattungsplätze der frühen Bauern in Württemberg stehen bereits seit langem im Mittelpunkt der archäologischen Forschungen. Ein vor drei Jahren neu begonnenes Kooperationsprojekt zwischen der Universität Tübingen und dem Landesamt für Denkmalpflege befasst sich nun mit der Rekonstruktion des Naturraumes, in dem die frühen Einwanderer sich mit ihren Haustieren und Kulturpflanzen angesiedelt haben und wie sie ihn durch die wirtschaftliche Nutzung allmählich umgestaltet haben.

Diese Forschungen bieten uns einen Einblick in den Beginn der sesshaften Lebensweise, sie zeugen vom Leben und Sterben der frühen Bauern und gestatten hin und wieder auch, eine Vorstellung von ihrer Wahrnehmung der Welt, den Kontakten zu ihren entfernten Verwandten im Südosten Europas und ihren religiösen Vorstellungen zu gewinnen.

 

Veranstalter: Keltenmuseum Hochdorf/Enz in Kooperation mit dem Förderverein Keltenmuseum Hochdorf/Enz e.V. und der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.

Ort: Gemeindehalle Hochdorf (beim Schul- und Sportzentrum), Schillerstr. 35, 71735 Eberdingen-Hochdorf

Beginn: 19:30 Uhr

Eintritt: 4,00 € / Mitglieder 3,00 € (Mitgliedsausweis bitte an der Kasse vorlegen)

Anmeldung: nicht erforderlich

Hinweis: Bitte bringen Sie zur Veranstaltung eine Mund-/Nasenbedeckung mit und beachten Sie die gültigen Infektionsschutzmaßnahmen auch bei der Anreise. Vielen Dank.

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