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Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.

Lennart Brandtstätter M.A., Dr. Leif Hansen / Stadt Hayingen (OT Indelhausen), Lkrs. Reutingen

Lehrgrabung 2024 Gruppe 3 - Befestigungsanlage Althayingen (vermutete Toranlage und Ringwall)

Ausgrabungen im (vermuteten) Torbereich der Befestigungsanlage Althayingen

(aus: Bericht im → Mitteilungsblatt 2024/1, S. 12-14)

Auf einem in das Tal der Großen Lauter hineinragenden Bergsporn befindet sich eine der größten Höhenbefestigungen Baden-Württembergs: Althayingen. Die Anlage liegt südlich von Indelhausen und nahe Hayingen im Landkreis Reutlingen. Sie besteht aus einem mehrfach befestigten, großen Vorbereich und einer Kernanlage mit Randwall. Die Wall-Graben Anlagen grenzen dabei ein Areal von mindestens 7,3 ha ab, wovon etwa 4,3 ha auf ein fünfeckiges, im Osten durch zwei zusätzliche Hanggräben befestigtes, Hochplateau entfallen.

Die Lehrgrabung im Sommer 2023 konzentrierte sich auf den Bereich eines vermuteten Tors. In sieben Plana konnten hauptsächlich unterschiedliche Ebenen verstürzter Steine einer vermuteten Tor- oder Mauerkonstruktion dokumentiert werden. Für eine Interpretation als Mauerversturz sprechen die häufig glatten Oberflächen, die rechteckigen Formen sowie der insgesamt bearbeitet wirkende Charakter der Steine. Zu erwähnen sind zudem die beobachteten häufigen Anzeichen für ein Brandereignis, die sich als rötliche Verfärbung oder in Form starker Zersplitterung der Kalksteine zeigen.

Ein überaus spannender, aber momentan noch schwer zu interpretierender Befund konnte unmittelbar unter dem Steinversturz freigelegt werden (siehe Foto "Überblicksaufnahme von Planum 8" im → Mitteilungsblatt 2024/1, S. 12). In einer Fundschicht, welche einige wenige Scherben schwarzer reduzierend gebrannter eisenzeitlicher Keramik enthielt, wurden mehrere verkohlte Hölzer entdeckt. Ein System in der Lage der teilweise über 0,90 m langen Hölzer war nicht zu erkennen und so erscheint momentan auch bei diesem Befund eine Deutung als Versturz am wahrscheinlichsten. Als mögliche Herkunft der Hölzer kommen die Pfosten einer Pfostenschlitzmauer, eine Holzverschalung oder ein Überbau in Form einer Überdachung oder eines Wehrgangs in Frage. Der Fund der Hölzer deckt sich von der Lage her mit den dokumentieren und in die Hallstattzeit datierten Holzkohlen unter der Steinreihe aus der Grabung 2022.

Die letzten drei Grabungskampagnen auf dem Hochplateau von Althayingen förderten bisher äußerst spannende Befunde zu Tage. Sie untermauern das Potenzial des Fundplatzes und unterstreichen nicht zuletzt die Bedeutung von Althayingen im Netzwerk weiterer Höhenbefestigungen im Umfeld der frühkeltischen Heuneburg.

Ein Team von SWR Aktuell hat die Lehrgrabung Ende Juli 2023 besucht und auf ihrer Homepage einen kurzen Bericht und den Rundfunkbeitrag bereitgestellt. Den Beitrag finden Sie → hier.

Die diesjährige, insgesamt sechswöchige Lehrgrabungskampagne erscheint für eine weitere Erforschung vielversprechend.

Voraussetzungen und Programm

Voraussetzung für die Teilnahme an der Lehrgrabung ist die Bereitschaft zu körperlicher Arbeit an der frischen Luft. Gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung werden benötigt. Die Richtlinien des LAD für die Arbeit in Grabungsschnitten erfordern Sicherheitsschuhe der Klasse S3 (Stahl- oder besser Hartplastikkappe, verstärkte Sohle und Knöchelhöhe). Die Tätigkeiten umfassen Erdarbeiten im gleichen Maße wie auch das Kennenlernen der archäologischen Ausgrabungs- und Dokumentationstechniken.

Soweit es die Zeitplanung zulässt und das Interesse der Teilnehmer vorhanden ist, sind innerhalb der 2 Grabungswochen kurze Exkusionen zu aktuellen Grabungen oder archäologischen Besonderheiten in der näheren Umgebung vorgesehen.

Organisatorisches

  • Die Gruppengröße beträgt max. 7 Personen, die Dauer pro Gruppe beträgt zwei Wochen.
  • Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.
  • Die Betreuung der Lehrgrabung wird vom Landesamt für Denkmalpflege geleistet.
  • Für Mitglieder der Gesellschaft für Archäologie beträgt die Kostenbeteiligung 60,- € pro zweiwöchiger Gruppengrabung.
  • Die Grabungswochen dauern jeweils von Montag (ca. 11:00 Uhr) bis Freitag (ca. 15:00 Uhr), das Wochenende ist frei.
  • Sobald die exakten Grabungsorte feststehen, erhalten die angemeldeten Teilnehmer zeitnah weitere Detailinformationen zu Treffpunkten, Uhrzeiten und Ansprechpartnern.

Verpflegung, Unterkunft und Logistik

Verpflegung und Unterkunft vor Ort sollten die Teilnehmer selbst organisieren und finanzieren. Mineralwasserflaschen sind vor Ort. In der Regel liegen die Grabungsflächen in Gebieten, die nicht oder nur begrenzt mit Privat-PKWs angefahren werden können bzw. dürfen. Deshalb werden vor Ort gemeinsame Treffpunkte und die Bildung von Fahrgemeinschaften vereinbart.

Tipps

Der Grabungsort "Ringwall Althayingen" wird auch manchmal "Burg Alt-Hayingen" genannt. Er befindet sich südwestlich oberhalb der beiden Hayinger Ortsteile Indelhausen und Anhausen, das u.a. Startpunkt des Wander- und Radwegs durch das einsame Tal der "Großen Lauter" in Richtung Donau ist.

Übernachtungsmöglichkeiten für die Lehrgrabung im Umfeld von Indelhausen und Anhausen finden Sie auf folgender Webseite → www.naturerlebnis-hayingen.de.

Für Wohnmobilisten gibt es Stellplatzmöglichkeiten auf dem Wander-Parkplatz "Heiligental" (offizieller Stellplatz mit Ver- und Entsorgung) etwa 4,5 km nördlich des Grabungsortes im Lautertal, Heiligental 1, 72525 Münsingen.

Online-Anmeldung

Bitte nutzen Sie bis zum 15. Juni 2024 das nachfolgende Formular für Ihre verbindliche Anmeldung. Es enthält alle noch freien Lehrgrabungstermine. Sie erhalten automatisch eine Eingangsbestätigung. Vielen Dank.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

 

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