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Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V.

Annkatrin Benz / Wunnenstein, Lkrs. Ludwigsburg

Ehrenamtsprojekt "Archäologie rund um den Wunnenstein" - Forschungsgrabung 2020 -'vor-Ort-Aktivitäten' beginnen wieder am 22.06.20 / Online-Aktivitäten finden statt-

VOR-ORT-AKTIVITÄTEN BIS ENDE JUNI UNTERBROCHEN! Aber: Online-Aktivitäten werden fortgesetzt ...

aktueller Hinweis: Aufgrund der aktuellen Corona-Krise können alle Vor-Ort-Aktivitäten mit ehrenamtlichen Teilnehmern am Wunnenstein und in Grünbühl bis Ende Juni nicht stattfinden. Der neue Grabungsstart vor Ort ist jetzt für den 22.06.20 vorgesehen. Dabei gelten aufgrund der weiterhin bestehenden Pandemie-Situation besondere Teilnahme- und Hygieneregeln, die zwingend zu beachten sind. (Stand: 20.05.20-fh)

Innerhalb des Ehrenamtsprojektes wurden nach den Prospektionstätigkeiten inzwischen Online-Aktivitäten "aufgesetzt" (z.B. Quellen-, Recherche- und Dokumentationarbeiten), die dezentral vom heimischen PC aus umsetzbar sind. Interessenten können sich also weiterhin über die angegebenen Kontaktadressen anmelden und registrieren lassen ... Vielleicht ist ja auch für Sie etwas dabei ?! (Stand: 20.04.20-fh)

Das Umfeld des Wunnensteins

Der Wunnenstein bei Winzerhausen gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten des Kreises Ludwigsburg. Bereits in der Mittleren Steinzeit, also vor 8.000 bis 10.000 Jahren, wurde sein Gipfel von nacheiszeitlichen Jäger- und Sammlergruppen als Lagerplatz genutzt; dies belegen Funde typischer Steinwerkzeuge, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in der Nähe des Aussichtsturmes entdeckt wurden. Auch Funde der Urnenfelderzeit (1200 – 800 v. Chr.) sind vom Plateau des Vorderköpfles bekannt. Funde römischer Dachziegel und Gefäß­scherben, die seit dem 19. Jh. immer wieder zutage traten, zeugen von einem römischen Bauwerk auf dem Wunnenstein, bei dem es sich – wie auf dem 17 km westlich gelegenen Michaelsberg bei Cleebronn – um einen Tempel gehandelt haben dürfte. Hier wie dort tritt der Platz in nachrömischer Zeit als Standort einer frühmittelalterlichen Michaelskirche in Erscheinung, in welcher sich die kultische Tradition des Ortes im neuen Gewand einer christlichen Interpretation fortgesetzt zu haben scheint.

Spätestens im 13. Jahrhundert entstand die Burg der Herren von Wunnenstein, deren wichtigster Repräsentant, der „gleißende Wolf“, mit der romantischen Lyrik Ludwig Uhlands Eingang ins geistige Allgemeingut Württembergs gefunden hat. Die genaue Gestalt seiner Burg, die zu Anfang des 15. Jahrhunderts bereits wieder verfiel, ist heute unbekannt und könnte nur durch archäologische Ausgrabungen ermittelt werden. Die markante Dreiteilung des Gipfels, die durch zwei mächtige, Nord-Süd geführte Stichgräben hervorgerufen wird, rührt sicherlich aus der Zeit der Burg, ein verschleifter Ringraben, der den Burgstall etwa auf Höhe der 385-Meter-Höhenlinie umfängt, könnte indessen älter sein. Auf dem Vorder- und Mittelköpfle deuten sich in einem teilweise unruhigen, von Hohlformen und Ein­senkungen geprägten Relief die ehemaligen Standorte von Türmen und unterkel­lerten Gebäuden an. Auf dem Vorderköpfle zeigt sich daneben deutlich die Planie der einstigen Kirche, deren Langhaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf Befehl Herzog Christophs niedergelegt wurde. Der vormalige Kirchhof diente der Gemeinde Winzerhausen noch bis weit ins 18. Jahrhundert hinein als Friedhof, über den der verbliebene Kirchturm mit der Glocke „Anna Susanna“ wachte, dessen bauliche Substanz im heutigen Aussichtsturm fortlebt.

Seine landschaftliche Prominenz scheint den Wunnenstein immer wieder ins Zentrum der regionalen Kulturentwicklung gerückt zu haben. Um diese Rolle des Berges verstehen zu können, ist auch die archäologische Durchdringung seiner Peripherie notwendig. Neben Fundstellen des Neolithikums, der Bronze- und Eisenzeit sowie der römischen Epoche sind hier auch zahlreiche archäologische Verdachtsflächen bekannt, die noch einer weiteren Klärung bedürfen.

Vorgesehene Maßnahmen im Projekt

Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen bekannte Denkmal- und Verdachtsflächen erneut und systematisch prospektiert werden. Grabungen sind an der mutmaßlich vorgeschichtlichen Ringbefestigung des Wunnensteins sowie im Bereich der am östlichen Bergfuß liegenden Grabhügelnekropole geplant.

Die Grabungsarbeiten sollen zwischen April und Oktober 2020 durchgeführt werden. Im Anschluss möchten wir außerdem die Möglichkeit bieten, an der Aufarbeitung der Grabung und des Fundmaterials teilzuhaben. Neben dem Forschungsziel, ein besseres Verständnis von der archäologischen Landschaft rund um den Wunnenstein zu erhalten, bildet die fachliche Aus- und Weiterbildung von Ehrenamtlichen einen weiteren Schwerpunkt des Projektes.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch Dr. André Spatzier und Dr. Christian Bollacher. Die Maßnahmen vor Ort organisiert Annkatrin Benz.

Infoveranstaltung am FR 06.03.20 für Mitglieder der Gesellschaft

Am Freitag, 06. März 2020 um 15:00 Uhr findet im Landesamt für Denkmalpflege, Berliner Straße 12, Esslingen eine erste Informationsveranstaltung für interessierte Mitglieder der Gesellschaft für Archäologie statt. Vorgestellt wird das Projekt- und Grabungsumfeld, sowie die konkrete Zeitplanung und Vorgehensweise.

Wünschenswert für die Teilnahme an dem Ehrenamtsprojekt sind erste Grabungserfahrungen (z.B. bei einer Lehrgrabung o.ä.) und die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit vor Ort und/oder bei der anschließenden Fundbearbeitung und Dokumentation. Zu klären sind in diesem Zusammenhang auch Ihre zeitlichen Verfügbarkeiten, sodass über die gesamte Projektlaufzeit immer ausreichend ehrenamtliche Mitarbeiter eingeplant werden können.

Anmeldung und Nennung von Beteiligungsmöglichkeiten für die Grabungskampagne

Nach der Info-Veranstaltung am 06. März 2020 im LAD, Esslingen werden die Planungen für die anstehende Grabungssaison jetzt konkreter. Zur Abstimmung von Terminen und die Bereitstellung von zentralen Dokumenten ist vorgesehen, eine eigene Kommunikations-Plattform "moodle" einzusetzen.

Die Grabungskampagne soll vom 22. Juni (neuer Starttermin aufgrund der Corona-Unterbrechung) bis Ende September/Oktober 2020 stattfinden. Es werden mehrwöchige Einsatzpläne erstellt. Auf der gemeinsamen Kommunikationsplattform "moodle" werden dazu jeweils bis ca. 14 Tage vor den eigentlichen Grabungswochen "Abfragen" eingestellt, um den registrierten Interessenten die Möglichkeit zu geben, ihre individuellen Beteiligungstage (es können Einzeltage oder längere Zeitabschnitte gewählt werden) anzugeben.

Für Ihre Anmeldung (Registrierung) und die Nennung Ihrer Beteiligungsmöglichkeiten schicken Sie bitte formlos eine E-Mail an die Grabungsleiterin Annkatrin.Benz@rps.bwl.de bzw. an die Projektadresse wunnensteinprojekt@t-online.de. Sie erhalten anschließend weitere Informationen und ggf. Ihre Registrierungsdaten für die → Kommunikations-Plattform. Hinweis: Eine Neuregistrierung kann manchmal etwas dauern, da wir am Wunnenstein nicht immer online sind.

Ein Neueinstieg in die Arbeiten vor Ort ist während der gesamten Grabungskampagne jederzeit möglich. Beachten Sie aber bitte einen gewissen Vorlauf (ca. 2-3 Wochen) für die Planung (s.o.).

Wir freuen uns, mit diesem Projekt vielen Ehrenamtlichen im Land ein attraktives Angebot machen zu können, einmal "von Anfang bis Ende" bei einer Forschungsgrabung beteiligt sein zu können.

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